Inspiration der Woche
Liebe*r Leser*in! Bitte nehme dir die Zeit entspannt und aufmerksam den Text zu lesen. Mache dir dazu dein Lieblingsgetränk, setze dich in Ruhe hin und atme einige Male langsam und vollständig aus, danach in den Bauch wieder tief ein. Das klärt Gedanken und bringt dich nach Hause. Hierher, in den Moment...
Bahnfahrt des Lebens
07.06.
Seit vielen Jahren fahre ich viel Bahn. Das hat mich viel über das Leben gelehrt. Ich kann es kaum in Worte fassen, ich werde es jedoch versuchen (das erstaunliche ist, dass ich ein passendes Video gefunden habe, welches das Leben auch mit einer Zugfahrt vergleicht. Es hat eine zugrundeliegende, tiefe Wahrheit, die man nicht leugnen kann. Es ist oben, unter dem Titel verlinkt, falls du es nicht gesehen hast).
Mir ist aufgefallen, dass das Leben, symbolisch gesehen, wie eine Bahnfahrt ist. Vielleicht fragst du dich, wie ich darauf komme, das vergleichen zu wollen. Ich führe es gern aus. Erstmal: Es gibt immer Stopps. Bahnstationen, die wir selber alle allzu gut kennen. Man kann es mit Lebensphasen oder Übergängen vergleichen. Man befindet sich eine Weile auf einem bestimmten Kurs. Dann ändert sich etwas Einschneidendes. Man wird angehalten, oft unfreiwillig. Daraufhin kommt es zu einer Kursänderung. Die Gleise werden neu gestellt. Menschen steigen ein und aus. Begleiten und verlassen uns wieder.
Außerdem geht es bei einer Bahnfahrt auch immer um ein äußeres Ziel. Wir wollen irgendwo hingelangen. Das ist meistens so, denn selten fahren wir einfach so ins Blaue hinein. Vielleicht sind wir auf einer Geschäftsreise oder wir fahren zur Arbeit. Eventuell kommen wir auch wieder von einem Urlaub und fahren nach Hause zurück. In jedem Falle gibt es einen Start und einen Endpunkt. Wir denken oft, dass das Leben so funktioniert.
Manchmal kann man sehr viel Freude dabei empfinden, wieder nach Hause zu kommen, speziell, wenn man länger unterwegs war. Aber was heißt es eigentlich Zuhause zu sein? Meiner Ansicht nach geht es immer um Liebe, Geborgenheit, Freude, Verbindung. Nicht umsonst sagt man auf Englisch: "Home is where the heart is." Nicht selten sitzen wir auf einer Bahnfahrt neben guten Freunden oder schließen mit fremden Menschen Bekanntschaft. Wir sind auf derselben Strecke unterwegs, haben ähnliche Probleme (zum Beispiel, wenn die Bahn massiv Verspätung hat oder wir unliebsame Streitereien mitbekommen) und können uns daddurch (wenn wir offen sind) auch gut in unser Gegenüber versetzen. Daneben sehen wir wechselnde Landschaften vorbeiziehen, fahren durch Wind und Wetter, über Berge und Täler (die symbolisch für unser inneres Auf und Ab stehen).
Man kann sich immer wieder fragen, auch gerade bei längeren Strecken: Wohin möchte ich eigentlich im Leben gelangen? Vor allem: Muss das besonders schnell sein oder kann ich einen Gang zurückschalten (zugegeben, das wird bei einer Bahnfahrt schwierig:-))? Kommen wir eventuell sogar eher an, wenn wir die Geschwindigkeit drosseln? Das spricht zwar im ersten Moment gegen unser Empfinden. Aber wenn wir wirklich ankommen möchten (im Leben ankommen), ist das Drosseln der Geschwindigkeit notwendig, sogar unabdingbar. Bei Stress kann niemand den brillanten Blick aus dem Lebenszug genießen, oder etwa doch? Denn je schneller ein Zug fährt, desto mehr verschwimmt laut der Physik die Umgebung und wird mit zunehmender Geschwindigkeit einem Tunnel ähnlich, bei dem das Umfeld immer weniger gut wahrgenommen werden kann. Wir müssen uns immer wieder an die Gemächlichkeit erinnern. Das ist für unser Wohlergehen essenziell. Wir tun uns selber und anderen damit einen Gefallen. Ansonsten laden wir Krankheiten und Unwohlsein in unser Leben ein...
Warum ist also Achtsamkeit so wichtig? Schauen wir es uns doch mal gemeinsam an. Gemessen an dem oberen Beispiel, haben wir bei einer zu schnellen Bewegung nichts vom Leben, weil wir davon nichts mitbekommen. Können wir sagen, wenn wir auf diese Weise voranschreiten, dass wir unser Leben bewusst wahrnehmen? Um wirklich da zu sein, brauchen wir eine Art Gewahrsein, eine Gegenwärtigkeit, die es uns erlaubt, mit unserer Umgebung in Verbindung zu treten oder unser Einssein damit zu erleben. Ansonsten sind wir unerreichbar.
Unerreichbarkeit ist die neue Krankheit unserer Zivilisation. Zwar sind wir durch die verrückte Vielfalt an Geräten stets zu erreichen, ob über Mail, Messenger Dienste oder Anrufe. Doch emotional sind wir kaum berührbar. Das ist aufgrund der Überreizung so. Nur wenn wir Überreizung drosseln lernen, Tätigkeiten, die uns stressen loslassen, uns weniger vornehmen, können wir unseren Wahrnehmungshorizont erweitern. Versuche an dieser Stelle ganz praktisch zu erwachen. Blicke dafür auf ein beliebiges Objekt, eines, dass du gern anschaust. Vertiefe deine Wahrnehmung, fokussiere dich und versuche es von allen Ecken mit allen Sinnen zu ertasten. Atme bei diesem Vorgang natürlich und rhythmisch in den Bauch ein und aus. Bemerke: Hat es Kanten? Wie ist seine Beschaffenheit? Temperatur? Auch wenn du es schon kennst, wende es, drehe es, entdecke es neu, öffne es, wenn es diese Option gibt. Durchdringe es. Ich bin mir sicher, hinterher hast du eine andere Sichtweise und dich viel besser mit diesem Objekt angefreundet. Wie oft sind wir dermaßen gegenwärtig und offen zu schauen?
Die "Blickmeditation" kann auch den Geist beruhigen, weil er zielgerichtet fixiert wird. Du sammelst dich, anstatt dich zu zerstreuen. Auf eine ähnliche Weise können wir auch anderen Menschen begegnen. Wir sollten richtig hinschauen lernen, damit wir sehen, wer da vor uns steht. Ansonsten gehen wir in unseren Annahmen fehl. Wir sind auf Autopilot. Vielleicht verpassen wir dann auch sinngemäß den Zug, auf den wir nun schon so lange gewartet haben.
Eine fordernde Übung: Versuche jemanden wirklich zu begegnen, der dich emotional herausfordert. Untersuche. Begegne. Sei wach, offen. Durchdringe. Wenn du es richtig durchführst, wirst du den jeweiligen Menschen hinterher vollständiger betrachten können. Vielleicht sogar mit Mitgefühl, welches von Zorn und Trauer überdeckt war. Zugegebenermaßen ist das keine einfache Übung. Aber auch wenn es nur ein winzig kleiner Mikro-Aspekt ist, der in deine Wahrnehmung getreten ist, hat dies eine nachhaltige Wirkung.
Sei gegenwärtig. Denn: Unsere Zugfahrt ist ungewiss. Wir können oft nicht sagen, wo genau sie begonnen hat und wann oder wo sie mit wem endet. Lebe mit allen Sinnen. Verschenke dich. Tue das mit ganzem Herzen. Grüble nicht zuviel darüber, was richtig oder falsch ist. So bist du ganz hier und jetzt, eins mit dem Leben.
Warten können
31.05.
Warten ist das ganze Leben, oder nicht? Schauen wir uns doch mal an, in welchen Situationen wir oftmals warten. Zum Beispiel: Schlangen aller Art, bis wir an der Reihe sind und es weitergeht. Das sind mitunter Supermarktkassen, Ampeln, Ämter, Bus und Bahn (bei der Bahn kann man sich immer wieder gut im Warten üben:-)). Außerdem: Im Kino, bis der Film beginnt. Oder auch am Einlass eines Konzertes. Manchmal wartet man auch auf einen Freund oder eine Freundin, bis sie zum Treffen erscheint. Dir fallen bestimmt weitere Beispiele ein...
Daneben warten wir auch auf eintreffende Lebensphasen, die einen neuen Abschnitt einläuten. Beispiele: Freudige Ereignisse, wie Geburtstage, Heirat oder Geburten. Auch relativ nachvollziehbar ist das Warten auf den Beginn einer langen Reise oder sogar einen Kurzurlaub, der Distanz vom gewohnten Umfeld verspricht.
Manchmal gibt es auch unliebsames, dass wir sorgenvoll erwarten. Gerne werden Handlungen, die sich hierauf beziehen (wenn möglich), hinausgeschoben (Prokrastination): Die nächste Klassenarbeit in der Schule, ein Berufswechsel, den wir aus bestimmten Gründen nicht befürworten. Menschen wiedersehen, mit denen wir ein Problem haben. Das Gespräch mit dem Chef*in. Das ernste Gespräch mit der*dem Partner*in, weil wir spüren, dass es nicht gut läuft.
Kannst du dich ad hoc an ein weitere Begebenheiten erinnern, in denen du voller Vorfreude warst oder auch angstvoll etwas erwartet hast?
Es fällt auf, dass Warten für uns allgegenwärtig zu sein scheint. Warum nicht die Lücke nutzen? Gerade an einer Ampel zu stehen, und auf die Bauchatmung zu achten, verändert unsere Haltung tiefgehend. Stress fließt aus uns heraus und wir nehmen an, was gerade geschieht, ohne uns mental dagegen zu wehren. Dasselbe können wir auf die Supermarktkasse übertragen oder auf den unliebsamen Stau auf der Autobahn, wo der Puls der meisten nach oben schnellt. Wir können uns auch fragen, wohin wir so eilig unterwegs sind? Können wir Stellschrauben verändern, sodass wir weniger gestresst sind? Und wenn das möglich ist, warum tun wir es nicht?
Ich sage nicht, dass man keine Vorfreude auf ein Ereignis empfinden darf. Doch das Leben fließt an uns vorbei, wenn wir nicht gegenwärtig, bei dem was wir gerade tun geistig anwesend sind. Eine Pause (the gap = die Lücke) lässt sich in jedem Falle für Besseres nutzen, als aus der Haut zu fahren oder wütend darüber zu werden, dass es nicht weitergeht. Warum nutzen wir die Wartezeit in einem Arztzimmer nicht dafür, unsere Gedanken kennenzulernen und Bewusstsein zu vertiefen? Warum eigentlich nicht? Macht das schnelle Vorankommenwollen glücklich? Macht es uns gesünder?
Moderne Studien belegen: Phasen des Tagträumens (oder Phasen des NIcht-Tuns) sind ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Dadurch wird ein kreativer Boden für weitere Tätigkeiten vorbereitet. Außerdem helfen Pausen beim Speichern, denn Erlebtes muss "verdaut" werden und landet so erst im Gedächtnis, wo es wiederum abrufbar wird. Die Regeneration in einer Wartephase wird zudem durch tiefe Bauchatmung verstärkt. Tiefe Atmung in den Bauch senkt nach Sekunden bis Minuten bereits den Cortisolspiegel, weil der Ruhenerv im Körper stimuliert wird. Man kann auch bewusst seufzen, doppelt so lange aus wie einatmen, was das Nervensystem ausgleicht und Spannung abbaut. Die Faustregel des Atemverhältnisses ist damit 1 (etwa 4 Sekunden ein) :2 (etwa 8 Sekunden aus). Das wirkt Wunder auf das geistige Befinden. Probiere es mal aus, wenn du dich das nächstem Mal unter Zeitdruck fühlst und Stress deine Zellen flutet. Schließe sanft die Augen dabei und schaue was geschieht. Sei ganz präsent, in diesem Augenblick. Du wirst vermutlich feststellen, dass bereits nach kurzer Zeit eine Veränderung eintritt...
Kurzbeitrag Mikropausen: Wissenschaftlich belegter Erfrischungseffekt: Das gibt es bei Mikropausen zu beachten
Trauma
17.05.
Mittlerweile hört man das Wort Trauma recht häufig. Trauma, was auch Riss oder Verletzung bedeutet, ist in den letzten Dekaden immer besser erforscht worden. Aufgrund dieser Forschungen ist es uns möglich, ein neues Verständnis zu entwickeln, wie wir mit Herausforderungen, inneren Konflikten und Verlust umgehen können.
Doch was ist Trauma eigentlich und wie wirkt es im Menschen? Gibt es einen Weg, sich davon zu befreien? Hier ist meine Auffassung, die nicht nur von der Wissenschaft, sondern auch aus eigener Erfahrung mit traumatisierten Menschen geformt ist:
Jeder von uns kennt schwierige Momente. Das ist nichts Ungewöhnliches. Wir wissen, dass das Leben nicht immer einfach ist. Ein Trauma ist aber nicht nur einer schwierigen Situation geschuldet, sondern geht mit Gefühlen von massiver Überforderung, Isolation und Hilflosigkeit einher. Das Nervensystem hält am Erlebten fest, friert es sozusagen ein. Wir handeln deshalb automatisch immer wieder, als befänden wir uns in derselben Situation und sind praktisch in einem reaktiven Zustand gefangen. Das bewirkt infolgedessen auch einen wiederkehrenden Zyklus bestimmter Emotionen wie Wut und Trauer, bis die Mechanismen durch entsprechende Behandlung/Therapie schwächer werden und an Kraft verlieren. Die Energie kann dann wieder befreit zirkulieren.
Gravierende Formen von Trauma können unter anderem durch heftige Unfälle, Naturkatastrophen oder Gewalteinwirkung (Kriege, häusliche Gewalt) geschehen. Die Auswirkungen der Erfahrung, die sich im Nervensystem wiederholen, können unter Umständen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach sich ziehen und starke Abwehrmechanismen im Betroffenen auslösen. Diese Individuen können noch Jahrzehnte nach dem Erlebnis von dem unverarbeiteten Rückstand gequält werden. Ein gutes Beispiel dafür sind Soldaten, die aus dem Krieg zurückgekehrt sind und unter Alpträumen und Flashbacks leiden. Es braucht dann Menschen, die wirklich zuhören, geduldige Freunde, Therapie und die Bereitschaft des- oder derjenigen, sich eigenverantwortlich den Inhalten zu stellen, damit diese sie nicht mehr unter Kontrolle haben. Traumatisierte Menschen reagieren sehr sensibel, können schnell umschlagen und auch zuweilen als unberechenbar erscheinen, was am Schutzmechanismus liegt. Sanfte körperliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Yoga und Qigong, sind für Betroffene hilfreich, da sie in ein neues Körperbewusstsein führen und, komplementär zu einer therapeutischen Begleitung, dabei helfen, das Nervensystem zu regulieren.
Sanftere Formen von Traumata, oder negative emotionale Reaktionen, können bereits durch körperliches Schütteln (ein Verarbeitungsmechanismus), durch eine tiefere Atmung in den Bauch oder auch sportliche Betätigung geschwächt und verarbeitet werden. Das liegt daran, dass der Vagusnerv (=Entspannungsnerv) aktiviert wird und dadurch Stresshormone abgebaut werden können. Bei tieferen Traumata ist es nicht ganz so einfach, denn die Betroffenen haben ihr Leben um die Verwundung herum angesiedelt und sind stark damit identifiziert.
Ich gehe davon aus, dass es ein regelrechtes Spektrum an Traumata gibt, das sich in verschiedenen Stärken ausdrückt und verschiedene Mechanismen, oder Reaktionen, des Nervensystems auf den Plan ruft. Die Sicht von Experten, wie Bessel van der Kolk, kann ich deshalb empfehlen, weil diese ihre ganze Arbeit diesem Thema gewidmet haben. Einen Link zu einem Interview mit Bessel gibt es unterhalb des Artikels (bei "Einstellungen", dem Symbol mit dem Zahnrad, gibt es meistens die Möglichkeit, wenigstens mit deutschem Untertitel zu schauen, manchmal sogar mit vollständiger Übersetzung über Audiotrack).
Nun bauen wir eine Brücke. Lasst uns bitte wach und bewusst beleuchten: Wenn also die Spannungszustände im Nervensystem dadurch zustande kommen, dass sie nicht verarbeitet werden können und uns komplett reaktiv in der Vergangenheit "festhalten", dann ist das einzige Gegenmittel, meiner These nach, in die Präsenz zu kommen. Warum? Je vollständiger wir im gegenwärtigen Moment verankert sind, desto weniger hat uns die Vergangenheit im Griff. Dadurch haben die Erlebnisse immer weniger Raum, um sich unbewusst auszuagieren. Diese Form der "Auflösung" wird im therapeutischen Bereich durch eine Vielzahl von Werkzeugen erreicht, die je nach Patient/in Anwendung finden. Dabei ist es ausschlaggebend, dass bei den Betroffenen der Entspannungsnerv aktiviert wird, damit das Nervensystem sich selbständig regulieren kann. Was hier so simpel klingt, kann unter Umständen ein jahrelanger Aufarbeitungsprozess sein, bei dem der/die Betroffene durch Angst, Verzweiflung und Ohnmachtsgefühle schwimmt.
Freundschaftliche Begleitung und Anteilnahme ist unerlässlich und ein großer Teil des Heilungsprozesses, weil in den Situationen, die eine traumatische Reaktion im Individuum ausgelöst haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine liebende Person abwesend war oder diese unter Umständen sogar gestorben ist. Die Liebe, oder Verbindung zu anderen, erinnert das Nervensystem an den sicheren Hafen und kann dadurch der Hauptkatalyst der "erfolgreichen" Verarbeitung sein.
Traumatischen Reaktionen sind nicht einfach aufzulösen. Aber wenn man nicht mehr unter der Schwere leiden möchte, die eine solche Erfahrung mit sich bringt, ist Achtsamkeit unausweichlich. Das bedeutet: Man holt sich absichtlich immer wieder in den Moment zurück, bleibt auf den Atem fixiert, der ja nur jetzt stattfindet. Man verweilt nur beim natürlichen Rhythmus von ein und aus. Wenn man abschweift, holt man den Geist zurück und heftet ihn am Atem an. Darüber hinaus übt man sich im Nicht-Halten. Ereignisse, egal, ob schöne oder nicht so schöne, sind der Veränderung unterworfen. Man lässt(!) sie kommen und gehen, wie Wolken am Himmel, was zugegebenermaßen niedlich klingt, doch sehr wirksam ist.
Veränderlichkeit ist eine gute Nachricht. Denn das heißt, dass sich durch die Erkenntnis der Veränderung negative Reaktionen auch auflösen können. Sie können deiner Präsenz nicht standhalten, weil sie auf dem Prinzip des Unbewussten beruhen. Nicht-Haften, im Moment weilen, wird zu einer begleitenden, befreienden Praxis, weil diese Abstand zu dem Erlebnis schafft. Natürlich ist das nicht nur für traumatisierte gut, sondern auch für Menschen, die man im gesellschaftlichen Sprachgebrauch gesund nennt. Denn auch gesunde Menschen leiden. Vielleicht unter Minderwertigkeit oder anderem. Leiden hat eine große Bandbreite und es gibt kaum jemanden, der sich davon frei sprechen kann.
Die Frage ist immer wieder: Wer bin ich wirklich? Wenn wir dieser Frage auf den Grund gehen, habe ich keinen Zweifel daran, dass wir Befreiung vom Leiden finden…
Freiheit
10.05.
Das freie Herz leuchtet, nichts engt es ein.
Genügsam ist es und kann mit sich sein.
Es ist immer voll, es sucht nach nichts mehr.
Seine Ufer sind fort. Es ist weit wie ein Meer.
Das freie Herz verlangt nichts.
Darin liegt seine Kraft.
Denn es ist selbst die Liebe,
die alles erschafft.
Das freie Herz stört sich nicht.
Es wankt nicht, ist stet.
Es ist wie ein fester Berg,
im strömenden Regen.
Das freie Herz denkt es sei unfrei.
Unter vielen Herzen fühlt es sich allein.
Doch wenn ein Herz sich in allem sieht,
erinnert es sich und singt sein Lied.
- Geschrieben von: einem freien Herzen
Friedlicher Geist
03.05.
Heute gibt es ein Kurzvideo vom Dalai Lama. Was er zu sagen hat, betrifft uns nämlich alle. Falls du den Link nicht gesehen hast, er ist oben, unter der Überschrift, zu finden.
Frieden kommt für uns nicht durch die Außenwelt, sondern durch unsere innere Haltung dem Leben gegenüber. Mitgefühl spielt dabei eine tragende Rolle, weil man nicht selbstzentriert handeln und gleichzeitig im Mitgefühl sein kann. Wer im Mitgefühl ist, sieht andere Menschen holistischer und hat ein tiefes Verständnis für den menschlichen Weg, weil man sich und seine Schwierigkeiten selber kennt. Die Umstände des menschlichen Lebens, die Leiden, Freuden, Hoffnungen und Enttäuschungen verbinden uns alle zutiefst. In jedem Moment, ohne Pause. Wohlwissend , dass wir unser Leid nähren, wenn wir anderen Leiden zufügen, lassen wir durch diese Erkenntnis von schädlicher Handlungsweise. "Liebe deinen nächsten wie dich selbst," ist nicht nur eine bloße Redewendung. Es heißt buchstäblich, dass zwischen dir und dem "Leben da draußen" keine wirkliche Trennung existiert. Das Problem entsteht daraus, dass wir täglich Leben, als sei diese empfundene Separation, die auf Angst basiert, wirklich...
So mögen wir weitherzig sein, damit wir durch diese Medizin heilen...gerade in diesen turbulenten Zeiten.
Buchempfehlung: "Inneren Frieden finden" vom Dalai Lama 2005 verfasst
Taking a break
26.04.
Heute ist das Thema: Pausen im Alltag schaffen. Interessante Links mit Kurzbeiträgen gibt es übrigens unterhalb des Artikels.
Ich frage mich, wie deine erste Reaktion wohl gerade ist. Welche Gedanken gehen dir gerade durch den Kopf? Wie stehst du zu Pausen? Wie niedrig oder hoch ist dein Stresspegel gerade? Bist du überarbeitet? Hattest du schon einmal ein Burnout?
Ist das Bild der Katze nicht herrlich, wie sie da liegt? Man kann sie fast Schnurren hören. Mir würde im Traum nicht einfallen, das Tier plötzlich aufzuscheuchen, davonzujagen und es einen Faulenzer zu nennen. Aber genau das machen wir mit uns selber ganz oft, weil wir uns zu wenige Pausen zugestehen und ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn wir "Nichts" tun. Viele von uns jagen sich nämlich von Event zu Event, was schnell in Freizeitstress ausartet. Manchmal heißt es dann unter hartgesottenen Leuten: "Keine Müdigkeit vortäuschen," oder "bis der Arzt kommt". Und tatsächlich dauert es bei einigen nicht viele Jahre, bis sie ,teilweise bereits in jungen Jahren, medizinische Hilfe anfordern müssen. Burn long and steady, instead of quick and short!
Lasst uns mal gemeinsam beleuchten, was Pausen eigentlich sind. Vielleicht kommen dir auch beim Lesen Einfälle, Assoziationen...
Wandel ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Das lässt sich nicht von der Hand weisen. Inhärente Momente der Auszeit findet man, obwohl sich ständig alles bewegt, überall als Prinzip wieder. Schon an den Jahreszeiten kann man das Ablesen oder an den Lebensphasen eines Organismus (Schmetterlinge sind ein schönes Symbol für die Metamorphose des Lebens). Der Winter beispielsweise steht für diese Ruhezeit, in der das Leben sozusagen "schläft". Auch der Atem zeigt die kurze Phase des Innehaltens, unmittelbar nach der Ein- und der Ausatmung. Die einzelnen Stationen im Leben eines Menschen sind im Grunde ebenso mit Zwischenräumen der ruhigeren Reflexion ausgestattet. Vielleicht kann ich sie auch als Übergänge bezeichnen. Zum Beispiel die Zeit nach der Schule, bevor es in den Beruf oder zu einer weiterführenden Institution geht. Eventuell später die Rente, nachdem man sein Lebenswerk getan hat und vielleicht sogar etwas wehleidig zurückschaut. Im Alltag kommt das berüchtigte Mittagstief und stattet einen Besuch ab. Warum entfliehen wollen und nicht willkommen heißen, was natürlich ist? Warum versuchen wir die natürlichen Ruhephasen zu übergehen und zu ignorieren? Ist es nicht auch eine Angst vor der Ruhe, die uns umhertreibt?
Unser Alltag sollte uns die Möglichkeit für zwischenzeitliche Entspannung bieten, die logisch auf Anspannung erfolgen muss, um eine gesunde Balance bewahren zu können. Ich spreche hier nicht nur von dem 15-30 minütigen Powernapping (obwohl mir das seit Jahren schon guttut). Für gestresste Menschen mit Familie, Beruf und anderen Verpflichtungen spreche ich minimalistisch eher davon, hier und da, sei es auch nur eine Minute nach dem Abschluss einer Tätigkeit, innezuhalten. In diesem "Leerlauf" verarbeiten wir und tanken neue Energie, damit es weitergehen kann. Deswegen sind kleine Unterbrechungen so hilfreich, gerade für unser Nervensystem. Sonst findet es den Ruheknopf (Vagusnerv) nicht, dreht buchstäblich nach anhaltender Tätigkeit durch und wird bei ununterbrochener Aktivität durch Übermüdung träge. Wenn wir also beispielsweise Mittags einen kurzen Augenblick innehalten (kombiniert mit dem Atem: 3-6 Runden langsam und bewusst doppelt so lange aus wie einatmen, im Verhältnis 4 Sekunden ein : 8 Sekunden aus, Schultern und Gesicht entspannen, in den Bauch atmen), wirkt es wie ein Reset und man fühlt sich in der Regel mental frischer. Warum fehlt uns dieses Gewahrsein im Alltag und können wir etwas daran ändern?
Ich schreibe oft von der menschlichen Konditionierung in den letzten Beiträgen. Und auch hier findet sie wieder Erwähnung, weil sie DIE GLEISE UNSERES ERLEBENS STELLT. Von klein auf werden wir konditioniert zu tun, uns über unsere Leistung zu definieren, die letztlich unsere gesellschaftliche Stellung, beziehungsweise den Selbstwert bildet. Wir leben in einer Gesellschaft, die man deswegen volkssprachlich als "Leistungsgesellschaft" bezeichnet. Vermutlich ist diese Entwicklung auf die damalige Einführung der Industrialisierung zurückzuführen, in der komplexere Vorgänge in immer kleineren Zeiträumen stattfinden konnten. Das Lebenstempo zog somit drastisch an und erhöhte sich porportional zu unseren technischen Errungenschaften.
Schon alleine auf sich zu achten, kann unter Umständen mit Scham behaftet sein, weil man die anderen bei der Arbeit "im Stich lässt" oder sich schwach fühlt, wenn man seiner menschlichen Natur nachgibt. Das führt jedoch dauerhaft in ein Ausbrennen, in einen Konzentrations- vielleicht sogar einen Schlafmangel. Wenn wir uns abgeschlagen fühlen, ist es das Selbstbild, unsere Außenwirkung, die sich verändert. Das wollen wir zumeist in jedem Falle vermeiden. Also gehen wir über unsere körperlichen Grenzen hinweg und tun so, als sei alles in Ordnung. Bis es irgendwann zu spät ist. Das Leiden folgt einer unachtsamen Verhaltensweise wie ein Schatten.
Ein guter Weg ist es zu bemerken, wo eigene "falsche", entgegen der Natur gerichtete, Glaubenskonzepte in uns verankert sind. Wir können unseren Körper und die Spannung darin als Messinstrument nutzen: Schon wenn wir Enge um die Brust bemerken, sollte das ein Signal sein, auf das wir hören. Schmerzt die Schulter? Geht mein Herz ungewöhnlich schnell? Was zeigt sich in der Empfindungswelt? Welche Gedanken begleiten uns in diesen Zuständen? Dann halten wir bewusst inne, auch wenn nur kurz. Atmen. Besinnen. Den Körper, so gut es derzeit geht, entspannen (keine Leistung daraus machen). Wie geht es dir nach 4 bis 5 Minuten im Vergleich zu vorher? Fließt die Atmung etwas freier?
Manche Gewohnheiten benötigen Jahre, um sich zu festigen. Wenn Person A von klein an flach atmen lernt, wird sie meinen, dies sei der natürliche Zustand und es ginge nicht anders. Zeige Person A seine wirkliche Lungenkapazität und sie/er wird erstaunt sein, dass es doch anders geht und wie flach er/sie zuvor geatmet hat. Das ist wie das bekannte Gleichnis mit dem Frosch am Teich, der nichts Anderes als diesen kennt. Und als er den Ozean das erste Mal in seinem Leben sieht, ist er völlig verwundert darüber, wie klein seine Weltsicht bis dahin war…
Wenn es dir so geht wie den meisten Menschen, hältst du vermutlich zu wenig inne. Na klar, du hast Kraft und Energie. Die möchte sich entfalten. Dagegen ist nichts zu sagen. Nur lass dir zwischendrin etwas Raum zum Atmen. Vermutlich spürst du dann noch etwas mehr Wind unter deinen Flügeln, der dich etwas weitertragen kann und dir bei genauerem Hinsehen eine tiefere Lebensfreude offenbart...
Links: Fit und leistungsfähig durch Powernapping I ARD Gesund - YouTube
Pausen im Alltag – Warum Ihr öfter Pausen machen solltet
Akzeptanz finden
19.04.
"The best weight to lose is the weight of other people’s opinions.“ Übersetzung: "Das beste Gewicht zu verlieren, ist das Gewicht der Meinungen anderer Leute.“ Danke an dieser Stelle an eine Freundin, von der ich das Bild an dieser Stelle posten durfte. Der Schnappschuss hat mich dazu inspiriert, heute über Akzeptanz zu schreiben.
Außenwirkung hat für die meisten von uns eine sehr hohe Relevanz. Das zeigen uns zum Beispiel die sozialen Medien jeden Tag aufs Neue und auch, wieviel Zeit wir damit verbringen. Gerade in diesen virtuellen Räumen wird deutlich: Wie wir uns präsentieren, hat eine Auswirkung auf unsere Mitmenschen.
Wir können den Kategorisierungen nicht entfliehen, auch wenn wir das zuweilen gerne möchten. Studien zufolge passiert eine erste Bewertung in einem Bruchteil einer Sekunde! Das ist blitzschnell, geschieht vollautomatisch, bevor uns sogar im Ganzen bewusst ist, mit wem wir überhaupt sprechen. Aber natürlich wäre es uns lieb, unser Gegenüber würde eher positiv, als negativ auf uns reagieren. Wir wollen meist gemocht und akzeptiert werden und dafür passen wir nicht selten unser Verhalten an. Anpassung ist in unserer Entwicklung natürlich und sicherte oft unser Überleben, gerade in schwierigen Zeiten, in denen wir Allianzen geschmiedet haben. Dies sollte jedoch in einer modernen, überreizten Gesellschaft nicht auf Kosten unserer Authentizität geschehen. Sonst geraten wir zwangsläufig in Schwierigkeiten, in Enge und Unbehagen.
Schon früh lernte ich bei meiner Mutter den Wert von Authentizität, die mit einer Akzeptanz für sich selber einhergeht (natürlich habe ich diese Lektion Stückweise über Jahrzehnte erstmal verankern dürfen). Ein Beispiel aus meiner Kindheit: Wir haben oft Zuhause Michael Jackson gehört. Einmal war Mark, der Bruder ihres damaligen Mannes, zu Besuch. Dieser traf die Aussage, dass er Michael Jackson nicht hörte und, meine ich, auch nicht mochte. Sofort passte ich mich ohne Wimpernzucken an, verriet meine innere Wahrheit und sagte: „Ich auch nicht." Meiner Mutter wies mich augenblicklich zurecht.
Ich verstand das damals nicht sofort. Doch heute weiß ich, was sie meinte. Man verbiegt sich und handelt nicht in Einklang mit der gefühlten Wahrheit. Für mich war die gefühlte Wahrheit: „Ich mag Michael Jackson.“ Der emotionale, voreilige Kontext meiner Aussage war jedoch: „Ich möchte von Mark gemocht werden und mich zugehörig fühlen. Deswegen sage ich, was er sagt.“ Das führte zu einer Reibung oder Konflikt in mir, auf den mich meine Mutter, als spirituelle Lehrerin, zu diesem Zeitpunkt aufmerksam machte.
Ein Stückweit darf es uns egal sein, was andere über uns denken. Zugegeben, das ist ein guter Haufen Arbeit. Aber mal ehrlich: Verlieren wir etwas dabei? Im besten Falle erkennen die Menschen sogar unseren Mut an und das wir ehrlich zu unserer Sichtweise stehen. Vielleicht können wir sie sogar durch unser Vorbild dazu inspirieren, ihrer inneren Wahrheit Ausdruck zu verleihen, auch wenn dies nur für einen Augenblick der Fall sein sollte.
Im schlimmsten Falle wenden sie sich Freunde von uns ab, weil sie unsere Ansicht nicht mehr teilen. Doch manchmal müssen wir Menschen aus unserem Leben verabschieden, wenn unsere Entfaltung es so möchte. Wenn wir zu uns stehen, können wir erhobenen Hauptes durch die Welt gehen und neue Leute um uns versammeln, die unser wahres Wesen zu schätzen wissen und für die wir nichts mehr darzustellen brauchen. Das kann die menschliche Reise nicht nur erleichtern, sondern sogar vergnüglich machen!
Wir sollten nicht wie Bettler durch die Gegend laufen und um Anerkennung bitten, als sei unsere Not unser täglich Brot. Wir dürfen damit beginnen, unser Erkennen zu vertiefen und abwägen, ob wir in einer Welt leben möchten, in der Wahrheit einen echten, erfahrbaren Wert hat. Oder wollen wir anderen etwas vorspielen und für etwas gemocht werden, was wir gar nicht wirklich sind? Hätten wir durch ein solches Verhalten etwas wünschenswertes erreicht? Letztlich kann diese Frage nur jeder für sich, zu seiner Zeit, beantworten...
Meiner Ansicht nach können wir schrittweise bereits jetzt damit beginnen, uns zu akzeptieren und dürfen uns erlauben, inneren Widerstand gegen uns, das Leben, fallenzulassen. Wenn wir nicht jetzt damit anfangen, wann werden wir es dann tun?
Alltägliche Wunder
12.04.
Das Leben ist ein Wunder. Oft rückt diese Sichtweise jedoch in den Hintergrund, weil der Lärm des Alltags uns regelrecht unter sich begräbt. Manchmal spüren wir nur die Wunden, die wir eventuell anderen zugefügt haben oder jene, die uns zugefügt worden sind und kreisen darum. Wenn diese Wunden pulsieren und Schmerzen, kann man das Leben schwerlich als Wunder betrachten. Es kann als eine Bürde und als Last empfunden werden. Wir fokussieren uns auf das Dunkle und verlieren deshalb den Anschluss zum Lichten. Der Übergang ist oft schleichend, wenn wir nicht achtsam bei der Sache sind.
Wunder geschehen immer wieder. Zum Beispiel: Armenien und Aserbaidschan haben August 2025 nach Jahrzehnten ein Friedensabkommen unterzeichnet. Der Mauerfall 1989, der größtenteils ohne Gewaltanwendung geschah und viele Menschen global berührte. Die Geburt eines Kindes, dass bei den Eltern für Glückshormonausschüttung sorgt und Bindungshormone freisetzt. Das sind jetzt nur einige Momente, die jedoch eine große Auswirkung haben, sogar ins Staunen versetzen können. Wenn wir Staunen, ist uns das Wunder des Lebens bewusst. Der Verstand setzt aus. Endorphine werden frei. Wir spüren etwas Größeres, von dem wir Teil sind und wofür wir keine Worte finden. Wir fühlen uns berührt. Eins.
Ein Wunder, dass jetzt stattfindet und welches buchstäblich direkt unter deiner Nase geschieht: Die Atmung. Warum soll das ein Wunder sein, fragst du vielleicht. Nun ja...nur aufgrund deines Atems kannst du Mensch sein, den Augenblick genießen und entscheidende Fragen des Lebens stellen. Wenn der Atem stockt, kann man bei Beobachtung feststellen, ist man im Widerstand. In diesem Zustand kann von Genießen nicht die Rede sein, weil Spannung erfahren wird. Diese ist größtenteils unangenehm, eventuell mit einem starken Gefühl der Unzufriedenheit und/oder Angst gekoppelt. Erst wenn der Atem freier wird, tiefer geht (in den Bauch), gibt es die Möglichkeit sich zu öffnen, in gewisser Weise zu erblühen. Denn dann geht es nicht mehr nur ums Überleben und um den Stress, den wir damit verknüpfen. Wenn wir Pausieren lernen, im Alltag zwischendrin Fenster der Erholung schaffen (es können auch nur kleine sein), kann uns das Wunder des Lebens berühren, weil wir uns berühren lassen.
In einer Zen Geschichte heißt es: Wasserholen und Holzhacken sind Wunder. Du brauchst nicht fliegen zu können oder über das Wasser zu laufen! Einem Menschen ein echtes Lächeln in Zeiten der Not zu schenken, ist auch schon ein Wunder. Oder den Wind auf deinem Gesicht zu spüren und nicht in Gedanken woanders zu sein. Denn Wunder sind nicht groß, sondern werden sogar oftmals verkannt, weil sie bereits im Kleinen stattfinden.
Hast du heute schon deinen Atem bewusst wahrgenommen?
Inspirationstipp: Stress und flache Atmung sind Standard geworden. Wenn du dich das nächste Mal am Anschlag fühlst, erinnere dich daran, wenigstens kurz zu Pausieren. Ziehe wenn möglich die Bremse. Du brauchst jetzt nichts weiter tun, als mit geschürzten Lippen (forme ein O, sodass sich die Lippen kräuseln) etwa 8 Sekunden langsam ausatmen, dabei mental mitzuzählen. Wenn du vollständig ausgeatmet hast, halte die Luft entspannt 2 bis 4 Sekunden an. Dann atmest du 4 Sekunden durch die Nase ein, während du mental wieder mitzählst. Nach vollständiger Einatmung halte wieder 2 bis 4 Sekunden die Luft an. Wenn du das schon drei 3 bis 6 Runden machst, stellt sich die Physiologie deines Körpers vom K(r)ampf in einen entspannteren Modus um. Der Vagusnerv wird stimuliert. Die Sicht wird klarer. Das ermöglicht eine andere Form der Interaktion.
Ich möchte an dieser Stelle klar betonen, dass Atem- oder andere Übungen gute Hilfsmittel sind. Man sollte sie regelmäßig einsetzen. Mache dir jedoch am besten gleichzeitig bewusst, was mögliche Quellen der Anspannung sind und ziele mit der Zeit auf den Kernkonflikt. Wenn wir dem eigentlichen Auslöser von Stress/Angst bewusster begegnen, ändert sich die Antwort unseres Nervensystems auf unangehme Situaionen und wir lernen besser mit Herausforderungen umzugehen, weil wir nicht zwangsweise unbewusst darauf reagieren.
Buchempfehlung:
Prof. Dr. Gerd Schnack & Birgit Schnack-Iorio
"Die Vagus Meditation"
Die Stress Epidemie
05.04.
Warum wir Achtsamkeit brauchen
Vor einigen Tagen bin ich von einem Seminar zurückgekehrt. Es war sehr bedeutsam. Für die Teilnehmer*innen, wie auch für mich. An dieser Stelle möchte ich nochmal für die Offenheit danken, die ihr an den Tag gelegt habt! Es war mir eine Freude!
Aus der Begegnung mit der Gruppe geht hervor, wie gestresst sich die Menschen oft fühlen. Manchmal von morgens bis abends. Eventuell haben sie auch niemanden zu Hause, der ihnen wirklich zuhört. Viele Menschen schultern jeden Tag Probleme, ohne zu wissen, was als Nächstes auf sie zukommt, da wir in Zeiten globaler Unruhen an allen Ecken Unsicherheit erfahren. Deswegen brauchen wir im Alltag Anker und wiederkehrende Fenster der Achtsamkeit, damit wir uns im Durcheinander unserer Ängste nicht verlieren.
Ein hilfreicher Anker ist beispielsweise die Atmung, weil diese autonom immer stattfindet. Sie verbindet uns mit unserem Körper und zeigt nebenbei den Zustand unseres denkenden Geistes: Sind wir unruhig, wütend oder haben Ängste, geht der Atem in der Regel schneller. Die Herzfrequenz ist erhöht, die Verdauung wird eingestellt, damit Blut zu den Muskeln fließen kann. Der Teil vom Nervensystem, welcher als Sympathikus (das Gas) bezeichnet wird, läuft unter Umständen auf Hochtouren. Wir fühlen uns gestresst.
In solchen Situationen hilft uns das bewusste Innehalten. Wir besinnen uns des Atems, nehmen seine Frequenz wahr, seine Tiefe, seinen natürlichen Rhythmus, ohne ihn anders haben zu wollen.
Gerade die Bauchatmung hilft dabei, denn bei Stress "fängt" sich der Atem oberhalb des Bauchraums, in der Brust. Die Bauchatmung, wenn das Zwerchfell die Organe bei der Einatmung verdrängt, suggeriert erneut Sicherheit und Ruhe. Der Gegenspieler des Sympathikus, der Parasympathikus (die Bremse), beginnt wirksam zu werden. Wir erfahren Sicherheit insofern, dass keine akute Lebensgefahr besteht und kein Kampf oder eine Flucht notwendig ist. Wir werden uns bewusst, suchen wieder Interaktion und werden kreativ (im Gegensatz zu re-aktiv).
Das Zentrum der bewussten Atmung ist Präsenz. Sei gegenwärtig, intensiv im Hier und Jetzt verankert. Das ist die Übung. Beim Abschweifen in die Vergangenheit oder in die Zukunft, bringst du dein Gewahrsein wieder zur natürlichen Atmung zurück. Dieser Prozess ähnelt einem Hüter, welcher das Wildpferd sanft zur Tränke führt. Bilde keinen Widerstand, weiche dem Augenblick nicht aus und lasse dich vom Leben erweichen.
Die Welt benötigt Achtsamkeit, weil wir zwar so weitermachen können. Aber zu welchem Preis, bitte? Ist es nicht so, dass viele Krankheiten eine Verlängerung des Stress darstellen und dieser längst einer Epidemie ähnlich geworden ist? Gewinnen wir etwas durch unsere tägliche Anspannung, durch unseren Kampf mit uns und der Welt? Möchten wir nicht insgeheim glücklich und zufrieden sein?
Achtsamkeit ist die Umkehr. Von automatisiertem Handeln hin zu dem "Ich bin" in dir, in uns. Unser Leben dreht sich nicht nur um das Überleben an und für sich. Dein Dasein, ohne Leistung, hat eine tiefere Bedeutung. Das haben wir nur im Zuge unserer Neuerungen und immer schneller werdenden Aktivitäten vergessen.
Also, wenn du dich das nächste Mal gestresst fühlst, lege die Hände über den Bauch, schließe sanft die Augen, entspanne bewusst deine Muskeln und verfolge sechs bis zehn aufeinanderfolgende Atemzüge, ohne abzuschweifen. Wenn du doch abschweifst, beginne dein Zählen erneut, bis du bei sechs oder zehn angekommen bist. Dann zähle wieder Rückwarts. Wiederhole das, bis es merklich ruhiger geworden ist. Entspanne dich in das Leben hinein und sei Torhüter*in deiner Gedanken. Auf diese Weise bist du Teil der friedvollen Veränderung, die das Bewusstsein selber auf der Erde verankert.
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Dr. Matthias Marquardt
"Erschöpft-Warum uns allen die Kraft ausgeht und was wir dagegen tun können"
Frühlingsgarten
29.03.
Der Frühling kommt. Es ist eine Zeit der Neuwerdung und Öffnung: Knospen brechen auf und explodieren förmlich in wunderbaren Farben! Es ist ein Übergang, den wir genießen und willkommen heißen dürfen. Was mir dabei auffällt: Wie unscheinbar die Knospe in ihrem Anfangsstadium doch ist! Wenn man es nicht weiß, vermutet man nicht ein solch prachtvolles Geschöpf, was aus dem geschlossenen, schlafenden Zustand hervorgeht. Bei einem Schmetterling ist es ähnlich. Von der Raupe bis zur vollendeten Form durchläuft er einen tiefgreifenden Prozess. Die unscheinbare Raupe wird etwas komplett anderes, was jedoch die ganze Zeit über in ihr angelegt ist...
Oft meinen wir Menschen, dass etwas Vollkommenes uns immer tief beeindrucken muss. Das ist jedoch nicht immer so. Im Unscheinbaren wohnt die Größe des Universums und die Herrlichkeit des Lebens selber! Wenn wir nur aufmerksam genug sind, entgeht uns diese Wahrheit nicht! So ist es auch enorm wichtig, schon das Höchste in unseren Mitmenschen zu sehen, weil es schon in ihren Herzen wohnt und auf Entfaltung wartet, wie die Knospe, die bald explodiert! Wer/was ist der Mensch in Wirklichkeit? Wem oder was begegnest du in anderen Menschen? Wo befindet sich die Antwort auf dieser Frage in dir? Etwa in deinem Verstand?
Die nachfolgende Geschichte handelt von diesem menschlichen Potenzial:
Bruder Antonius spazierte eines sonnigen morgens durch den Klostergarten. Er genoss den Frühlingsbeginn. Die Farbenpracht war atemberaubend und er hielt inne, um den Duft der Blüten zu genießen.
Eine Gruppe von drei jungen Mönchen, zwei davon waren in einer lautstarken Diskussion, presste sich an Antonius vorbei. Es ging um eine bekannte Bibelpassage. Sie versuchten einander in ihrer Argumentation zu überbieten und taten sich hervor. Einer von den beiden sprach vehement: „Deine Ansicht weise ich entschieden zurück! Wir gehen sofort in die Bibliothek und finden raus, wer von uns recht hat!“ Daraufhin der andere: „Nur zu gerne! Was ich sage, stimmt! Überprüf es doch!“
Bruder Antonius wusste, dass die Mönche neu waren und einige Regeln des Klosters noch nicht kannten. Die beiden Älteren der drei waren außerdem ungestüm, wie Wildpferde. Da im Klostergarten Stille gehalten werden sollte, flüstern war erlaubt, machte Antonius sie freundlich darauf aufmerksam. Augenblicklich verebbten die Worte. Der Dritte im Bunde, Marcus, war die ganze Zeit über bereits still gewesen. Daraufhin bemerkte Antonius flüsternd: „Hört einander erstmal richtig zu, bevor ihr in eine Argumentation geht. Richtig diskutieren will gelernt sein und hat nichts mit Gewinnen oder verlieren zu tun, sondern damit, einander kennenzulernen! Vielleicht habt ihr mehr gemeinsam, als euch klar ist? Warum macht ihr es nicht wie Bruder Marcus? Er ist wie diese Blumen da drüben: Ob die Sonne scheint oder es regnet, Gottes Geschöpfe sind seinem ruhigen Herzen jederzeit willkommen! Nicht der Lauteste hat recht, denn dieser hat eigentlich nur Angst, dass er keine Anerkennung findet! In den Unscheinbaren, den Stillen, wohnt das Himmelreich und die Wahrheit, die so hoch gepriesen ist! Ihr könnt von eurem jüngeren Bruder lernen!“ Und die beiden Männer blickten ungläubig zu Bruder Marcus. Sie kamen nicht umhin sich zu fragen: Hatten sie ihn die ganze Zeit unterschätzt?
Schlusswort: Den Schmetterling in der Raupe sehen, die Blüte in der Knospe, das Große im Menschen!
Eine andere Welt ist möglich
vom 22.03.26
Das Bild unterhalb, dass von einer Hauswand in Dresden gemacht wurde, trägt einen bezeichnenden Spruch: Eine andere Welt ist möglich. Wenn man so etwas an eine Hauswand schreibt, kann das mehrere Gründe haben. Doch zweifelsfrei mag es auf einen Umstand hinweisen, mit dem wir uns heutzutage auseinanderstzen müssen: Derzeit ist unsere Lage, global gesehen, eher brenzlig. Ich möchte dich fragen, ob du das anders siehst. Vielleicht magst du mir über die Kontaktseite schreiben, wie deine Ansicht dazu ist und ob du meinst, persönlich etwas daran verändern zu können.
Wenn du erlaubst, mag ich an dieser Stelle mit dir meine Ansicht teilen: Ich finde, viele Dinge die gerade geschehen, sind ein Spiegel unseres inneren Krieges. Doch ich sehe und spüre, dass eine Veränderung möglich ist. Das ist so, weil ich niemanden anderen für mein Leben verantwortlich machen kann. Ich entscheide mich eher dazu, die Kraft die ich habe, täglich für das einzusetzen, was in mir über Jahre hinweg gereift ist: Innerer Frieden. Dieser ist möglich! Wenn dieser möglich ist, ist auch eine andere Welt möglich, denn sie resultiert ja letztlich aus meinem Umgang mit mir selber. Wenn nun viele zu innerem Frieden kommen und sich anzunehmen wissen, wird aus unserer vom Krieg gebeutelten Welt eine friedvolle. Denn wer führt noch Krieg, wenn sich keiner mehr beteiligt? Es liegt an uns.
Letztlich finde ich das Bild unten auch sehr interessant, da es den Gitterzaun zeigt, durch den man das Graffiti lesen kann. Der Gitterzaun ist auch ein Symbol für unsere Glaubenssätze, die uns einengen und einen neuen Blickwinkel gar nicht erst entstehen lassen. Dahinter leuchtet aber in vielen von uns die Hoffnung, dass es anders werden kann.
Was ist wirklich möglich? Kann es eine "bessere" Welt geben? Lebe deine persönliche Antwort in die Welt hinein und leiste deinen Beitrag dazu, so gut du kannst. Das ist die Veränderung zu sein, die du zu sehen wünschst und nicht die Verantwortung den anderen zu überlassen. Denn du bist eine Kraft, die man allgemein als Leben bezeichnet!
Einen friedvollen Sonntag und bis bald,
Ātmā
Lebensfreude
vom 15.03.26
Vor einigen Tagen sah ich einem Kind beim Spielen zu. Das Mädchen sprang im Garten der Nachbarn vergnügt auf einem Trampolin auf und ab. Es machte mir Freude, ihr dabei zuzusehen. Sie war so frei, so verspielt, so sehr sie selbst! Eine ältere Person, die sie beaufsichtigte, saß auf einer Bank, stand auf und trat an das Trampolin heran. Sie sagte im strengen Ton, dass die Kleine sich richtig anziehen solle, sie mache sich ja ganz dreckig, oder so ähnlich. Das Mädchen hörte auf zu springen und tat, wie ihr befohlen wurde. Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, doch sie wirkte plötzlich gehemmt. Oft, so dachte ich zu dem Zeitpunkt, sind das Erscheinungsbild oder irgendwelche Regeln wichtiger, als simple, authentische Freude zu erleben, die kein Ziel verfolgt und aus einer Freiheit geboren ist, die man als Erwachsener oftmals vergessen hat.
Weil Menschen von Geburt an konditioniert werden und man ihnen beibringt sich anzupassen, ist es essenziell, immer mal wieder Tätigkeiten nachzugehen, die „ziellos“ sind. Nichts wollen, sich für einen Moment gehen lassen, ohne Kontrolle über das eigene Verhalten auszuüben! Warum das wichtig ist? Die westliche Zivilisation ist besessen von Kontrolle (Uncertainty Avoidance, ein von Geert Hofstede geprägter Begriff)! Dahinter steckt bei genauer Betrachtung auch die Angst, nicht perfekt zu sein. Ein Schrei nach Liebe oder Zuspruch, wenn man so will. Oft fühlen sich Menschen unter der Oberfläche fehlerhaft, nicht richtig wie sie sind und versuchen das durch übertriebenes, perfektionistisches Verhalten zu kompensieren. Das sind Spuren aus der Vergangenheit, Wunden aus der Kindheit. Wir haben gelernt, dass wir nur "brav" oder liebenswert sind, wenn wir gewisse Erwartungen erfüllen, unsere natürlichen Impulse unterdrücken, tun, was uns gesagt wird und unhinterfragt funktionieren. Vielleicht haben wir Situationen erlebt, in denen wir zurechtgewiesen wurden, jedoch nur wir selber waren, wie das Mädchen auf dem Trampolin. Weil wir den Unmut unserer Mitmenschen nicht auf uns ziehen möchten, lernen wir, uns entgegen zu handeln.
Wie können wir dem entgegenwirken? Zum Beispiel: Reserviere wenigstens einen Tag die Woche nur für dich allein (ideal ist es, sich jeden Tag Raum zu gönnen). Lasse Uhr und Handy zu Hause und gehe in der Natur spazieren. Oder mache ohne Leistungsdruck Sport, ohne Pulsmesser oder Eintragungen ins Trainingsbuch. Zeichne. Schreibe. Höre, spiele Musik. Besuche ein Museum. Spiele ein Spiel mit Freunden. Such dir was aus. Die Voraussetzung ist, dass du die Zeit vergisst und dich vollkommen in den Moment wirfst, ohne woanders zu sein. Weite dich aus. Kümmere dich um dein Wohlergehen. Sei ganz du selbst, mit allen Sinnen anwesend und wirf alle Erwartungen, für einen Moment, über Bord. Was gewinnst du dadurch? Nichts. Du kommst nur an, wo du schon bist. Du erinnerst den Sinn in dir. Es gibt kein übergeordnetes Ziel deiner Tätigkeit. Leben ist Leben. Du bist Teil davon. Gehe dem natürlich nach.
Nur wenn wir als Erwachsene uns selbst sein lassen, können wir uns selber besser führen. Unsere Kinder bekommen dadurch gute Richtungsweisung. Denn wir wissen, dass sie durch unser Vorbild lernen.
Kinder erinnern uns: Leben ist nicht nur harte Arbeit, die niemals endet. Es kann und darf sogar Freude machen!